AK Wuppertal-Nord: Vor Ort wird die Dimension der Planungen sichtbar

Wie wirkt sich der geplante Aus- und Umbau des Autobahnkreuzes Wuppertal-Nord tatsächlich auf Sprockhövel, die Landschaft und die Menschen vor Ort aus?

Dieser Frage sind wir bei einer gemeinsamen Begehung mit betroffenen Grundstückseigentümerinnen nachgegangen. Denn Karten, Planzeichnungen und technische Unterlagen erzählen viel – aber längst nicht alles. Erst vor Ort wird deutlich, welche Dimension ein solches Projekt tatsächlich haben kann.

Der geplante Umbau würde über viele Jahre erhebliche Eingriffe mit sich bringen. Flächen würden zusätzlich beansprucht, Landschaftsräume verändert und Grundstückseigentümerinnen unmittelbar betroffen. Hinzu kommen Fragen zu Baustellenverkehr, Lärm, Verkehrsverlagerungen und den Auswirkungen auf Sprockhövel.

Besonders eindrücklich war bei der Begehung der Blick auf die betroffenen Waldflächen.

Wer in Sprockhövel den Gangelshauser Wald kennt, bekommt eine Vorstellung davon, worüber wir sprechen. Die betroffene Waldfläche ist in ihrer Dimension praktisch ein Zwilling des Gangelshauser Waldes.

Auf einer Planungskarte erscheinen solche Flächen zunächst als Linien, Markierungen und technische Eingriffsbereiche. Vor Ort wird daraus etwas sehr Konkretes: gewachsener Wald, Naturraum und Landschaft.

Genau deshalb reicht es nicht, einen solchen Eingriff nur technisch zu betrachten. Die Frage muss auch sein, ob diese Flächeninanspruchnahme tatsächlich notwendig und alternativlos ist.

Besonders kritisch sehen wir, dass bislang keine belastbare aktuelle Kostenschätzung für das Gesamtprojekt öffentlich benannt wurde.

Auch bei der Vorstellung der Planungen blieben konkrete Fragen zu den Kosten unbeantwortet. Für uns ist das nicht nachvollziehbar. Wer ein Infrastrukturprojekt dieser Größenordnung plant, muss transparent darlegen können, mit welchen Kosten gerechnet wird und auf welcher Grundlage die Wirtschaftlichkeit des Projektes bewertet wird.

Würdest Du ein Millionenprojekt beschließen, ohne alle Antworten zu kennen?

Wir nicht.

Als zentrale Begründung für den geplanten Umbau wird immer wieder die heutige Ampelsituation am Autobahnkreuz genannt.

Doch die entscheidende Frage ist: Rechtfertigt dies automatisch einen großflächigen Ausbau?
Wir wollen wissen, welche konkreten Verkehrsprobleme gelöst werden sollen, auf welchen aktuellen Verkehrsprognosen die Planung beruht und wie sich Unfallzahlen und tatsächliche Verkehrsbelastung entwickelt haben.

Vor allem wollen wir wissen: Welche Alternativen wurden ernsthaft, ergebnisoffen und nachvollziehbar geprüft?

Eine mögliche Alternative ist eine sogenannte Nullplus-Variante. Dabei wird die bestehende Infrastruktur nicht einfach unverändert gelassen. Stattdessen werden gezielte Verbesserungen geprüft – etwa eine moderne Verkehrssteuerung, optimierte Ampelschaltungen, veränderte Spurführungen oder begrenzte bauliche Anpassungen.

Das Ziel ist, bestehende Verkehrsprobleme zu lösen und gleichzeitig zusätzliche Flächenversiegelung und massive Eingriffe in Natur und Landschaft möglichst zu vermeiden.

Ob eine solche Lösung am AK Wuppertal-Nord möglich ist, muss aus unserer Sicht fachlich belastbar untersucht und transparent mit der derzeit geplanten Ausbauvariante verglichen werden.

Die Begehung hat noch einmal deutlich gemacht: Hinter jeder Linie auf einer Planungskarte stehen reale Flächen, Landschaft, Natur und Menschen, die unmittelbar betroffen sind.

Wir stellen uns nicht gegen notwendige Infrastruktur. Aber wir akzeptieren nicht, dass ein Millionenprojekt vorangetrieben wird, während zentrale Fragen zu Kosten, Bedarf und möglichen Alternativen offenbleiben.

Erhalt und intelligente Optimierung müssen vor Ausbau stehen.

Deshalb fordern wir: Planungen kritisch überprüfen. Kosten transparent machen. Alternativen ernsthaft prüfen. Flächenfraß vermeiden.